Wie schreibt mein Kind
| Entwicklungsstufen des Schreibens | Merkmale | Hinweise für die Eltern |
| 1. Kritzeln | Das kleine Kind ahmt das Verhalten der Erwachsenen nach. Es bringt seine Spuren auf das Papier. Leistung: Nachahmung | Stellen Sie Ihrem Kind Notizpapier, Hefte, Papierbögen und allerlei Stifte zur Verfügung. Fragen Sie nach, was es denn da gezeichnet habe. |
| 2. Kenntnis einzelner Buchstaben aufgrund ihrer Figurmerkmale | Das Vorschulkind merkt sich die Gestalt und die Anordnung von Buchstaben und Buchstabenreihen. Oft kennt es den einzelnen Laut gar noch nicht. Leistung: Gedächtnis | Nun beginnt das Kind, lange Buchstabenreihen zu malen. Dazu gehört auch das Abschreiben und selber Schreiben des eigenen Namens. |
| 3. Einsicht in die Buchstaben- Lautbeziehung | Im Übergang vom Vorschul- zum Unterstufenalter kennen Kinder einzelne Buchstaben. Nach dem Prinzip "schreibe wie du sprichst" achten sie auf die Lautfolgen im Wort und setzen für jeden hörbaren Laut einen Buchstaben. Leistung: Lautbewusstsein und Analyse über das Gehör | Die lautgetreue Schreibweise Ihres Kindes entspricht seiner Entwicklung. Die Wertschätzung von kindlichen schriftlichen Nachrichten fördert sein Selbstbewusstsein. "maine froindin haist tania und wir schpilen fil zusamn." |
| 4. Einsicht und Anwendung von orthographischen Strategien | Ende Unterstufe erkennt das Schulkind, dass es Wörter gibt, die von der lautgetreuen Schreibweise abweichen und es beginnt, erste Regeln abzuleiten und anzuwenden. z.B. "St" und "Sp" anstelle von "Schtart" und " Schport". Es gibt Besonderheiten, die man nicht immer hören kann wie Tal, Saal, Stahl. Warum verändert sich "Rose" in "Rosse" und aus "Schiff" wird "schief" Leistung: Bilden und Anwenden erster Regeln | Wenn Kinder merken, dass die Strategie "schreibe, was du hörst" nicht genügt, sind sie anfänglich oft verunsichert. Sie brauchen dann die Hilfe und Geduld der Erwachsenen und nicht das ständige Hinweisen auf ihre Fehler. Lehrpersonen sind didaktisch gefordert, den Schüler/Innen Wortmaterial mit orthographi- schen Merkmalen anzubieten, damit diese die Regelfindung erwerben können. |
| 5. Einsicht und Anwendung von Wortbausteinen | In der Mittelstufe erkennt das Schulkind den Aufbau von Wörtern und darin vorkommende Bausteine. Bei dieser Strategie werden Wörter auf ihre Bildungselemente hin befragt und analysiert. Je besser dies gelingt, desto erfolgreicher wird die Rechtschreibung bewältigt. Leistung: Analyse der Wortstruktur | In dieser Phase realisieren die Schüler/Innen, dass es Wortfamilien gibt, die Gemeinsamkeiten aufweisen, wie z.B die Familie "fahr" (fahren, Gefahr, fährt, gefährlich). Sie erkennen Wortendungen -el, -er, -en und Vorsilben ge-, ab-, ver-. Ebenso können sie die Schreibweise ableiten, wie "Kamm/kämmen" und "Bart/Bärte" |
| 6. Einsicht in die wortüber- greifende Strategie | Auf der Grundlage der Grammatik erkennt der/die Schüler/in die Abhängigkeit der Schreibweise eines Wortes von Wortart und Grammatik. Dazu gehören Gross-, Kleinschreibung, Getrennt- oder Zusammenschreibung. Mit den Satzzeichen erhalten Sätze und Texte ihre orthographisch richtige Gestalt . Leistung: Beachten von umfassenden grammatischen Kenntnissen | Das Erreichen dieser letzten Stufe verlangt eine steigende geistige Herausforderung. Immer mehr sprachliches Wissen muss auf abstrakten Ebenen verknüpft und verarbeitet werden. Jede vorausgehende Stufe bleibt dabei erhalten. Eltern, Lehrpersonen und nicht zuletzt die Jugendlichen brauchen für diesen Prozess passende, schriftliche Anregungen, aber auch Geduld und Zeit. |
