Bericht in der Andelfingerzeitung (November 2011)

Häsch denn nid ghört, dass … ?

Ärgern Sie sich manchmal auch darüber, dass Ihr Kind nicht reagiert, wenn Sie ihm rufen oder einen Auftrag geben? Hören Sie immer genau zu?

Tagtäglich sind wir einer Vielzahl von Höreindrücken - willentlich aber auch gezwungenermassen - ausgeliefert. Ob im Shoppingcenter,  in der Warteschlaufe am Telefon, zu Hause, wenn der Fernseher oder Radio den ganzen Tag läuft, aus dem iPod (sogar beim Joggen) … - ständig nehmen wir Informationen auf. Unser Gehirn leistet dabei Höchstarbeit und muss:

  • Geräusche und Sprache erkennen und orten
  • Wichtiges von Unwichtigem trennen und Ähnliches unterscheiden
  • Geräuschen und Sprache einen Sinn geben (verstehen)
  • sich Gehörtes merken und sich später wieder daran erinnern  
  • Informationen mit schon vorhandenem Wissen verknüpfen …

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind nicht (zu)hört: mangelndes Interesse, das Kind ist in Gedanken irgendwo anders, es möchte sein Spiel nicht unterbrechen - oder ganz einfach, sein Gehör ist nicht intakt. Ein gutes Gehör ist aber die Voraussetzung, um Sprache richtig aufzunehmen. Hinweise für ein organisch nicht optimal funktionierendes Gehör können sein:

  • Das Kind spricht auffällig laut.
  • Es wirkt oft abwesend und verträumt.
  • Das Kind leidet häufig an Mittelohrentzündungen.

Es ist aber auch möglich, dass ein Kind die Informationen trotz eines guten Gehörs nur unzureichend im Gehirn wahrnehmen, verarbeiten und speichern kann. Zu den auditiven Hirnleistungen gehören - vereinfacht gesagt - die Aufnahme von Reizen (z.B. Geräusche/Laute/Wörter/Zahlen) über das Gehör, die Weiterleitung dieser ins Gehirn sowie die Abspeicherung in den entsprechenden Hirnregionen. Wenn ein Kind sehr grosse Probleme damit hat, sprechen Fachleute von einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung.  2 – 3% aller Kinder sind davon betroffen.

Mögliche Symptome von unzureichenden Wahrnehmungs- und Verarbeitungsleistungen übers Gehör sind zum Beispiel:

  • Schnelle Ermüdung und wenig Interesse bei längerem Zuhören von Geschichten (Kind „hängt ab“)
  • gestellte Aufträge werden schnell vergessen
  • häufiges Nachfragen
  • Probleme beim Auswendiglernen von Liedern, Gedichten oder dem 1x1
  • schlechte Konzentration und erhöhte Ablenkbarkeit bei hohem Geräuschpegel und durch Umgebungsgeräusche
  • mangelndes Sprachverständnis, häufig Missverständnisse
  • Verwechslung von ähnlich klingenden Lauten (z. B. p/b, m/n, d/t, g/k..)
  • Mühe bei Diktaten und  im Kopfrechnen
  • zu lautes Einstellen von Radio/ CD-Player / Fernsehgerät
  • grosse Empfindlichkeit bei schrillen und lauten Geräuschen
  • verzögerte Reaktionen („lange Leitung“)

 

Die Ursachen für eine mangelhafte auditive Wahrnehmung, Verarbeitung und Speicherung sind äusserst vielschichtig. Wichtig ist, dass die Probleme erkannt und angegangen werden. Falls Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind Probleme mit der Hörverarbeitung haben könnte, können Sie sich an einen Kinderarzt oder eine Logopädin wenden. Für eine spezifische Gehörsabklärung empfiehlt es sich, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt beizuziehen.

Sie selber können Ihr Kind unterstützen, indem Sie mit ihm Spiele und Übungen machen, bei welchen das genaue, bewusste Hinhören und die auditive Merkfähigkeit geübt werden.
Beispiele:

  • mit geschlossenen Augen Alltagsgeräusche erkennen (z.B. Zeitung zerknüllen, Türe schliessen, Wasserhahn aufdrehen ..) oder eine Geräuschabfolge nachahmen
  • durch den Wald spazieren oder das Fenster öffnen und mit geschlossenen Augen auf alle Geräusche achten; anschliessend einander berichten, was gehört wurde
  • einen laut tickenden Wecker verstecken, das Kind sucht diesen
  • Kofferpack-Spiele (auch im Handel erhältlich)
  • Geschichten vorlesen
  • Einkaufsliste erstellen und im Geschäft auswendig aufzählen, was man einkaufen muss
  • Sprech- und Abzählverse lernen
  • Hörmemo spielen (z.B. Spiel: „Kling-Dong“)
  • sich Telefonnummern von Freunden oder Verwandten merken usw.

Weitere Informationen und Ideen finden Sie auf folgender Webseite:
http://www.schulpsychologie-sg.ch/pic-pdf-liste-themen/Auditive-Wahrnehm-Ueb.pdf

Für die Logopädinnen des Zweckverbandes der Schulgemeinden im Bezirk Andelfingen
Vanessa Braun Shakeshaft und Anita Kratzer